golden-age-fashion-copyright-Nicolette-Scharpenberg

Vintage, Upcycling & südländische Eleganz: Ana von The Golden Age zeigt uns, was ihre Heimat zu bieten hat

31. März 2014

Anfang März waren wir auf St. Pauli und haben uns mit Ana von „The Golden Age“ getroffen. In einem Ladenkollektiv in der Kleinen Freiheit No.1 verkauft Ana Vintage-Kleidung aus Nordspanien und Portugal.

Hallo liebe Ana, vielen Dank, dass wir dich besuchen dürfen. Wie kommst du eigentlich dazu, Kleidung aus Nordspanien und Portugal auf St. Pauli zu verkaufen?

Ana-TheGoldenAge-Foto-Susanne-Hinck-2

Ein Blick in Ana’s Ladenbeteiligung in der Kleinen Freiheit No1- ©Foto: Susanne Hinck

Ich stamme selbst aus Nordspanien und kehre daher auch öfters dorthin zurück. Auf meinen Reisen habe ich oft Kleidung für mich selbst eingekauft, da ich den Stil der Spanierinnen liebe. Dort ist jede Frau, egal welchen Alters, immer gut gekleidet. Außerdem gibt es auch viel schönere Sommerkleider und –schuhe, viele Blumen- und Folkloremuster. Mit der Zeit haben immer mehr Freunde mich gebeten, auch ihnen Kleidung mitzubringen. Also habe ich eines Tages einen großen Sale veranstaltet und der ist dann richtig eingeschlagen. Anschließend ging alles ganz schnell. Ich habe mir eine Ladenbeteiligung gesucht und verkaufe nun seit September als „The Golden Age“ meine punkig-folkloristische Kleidung in der Kleinen Freiheit No.1.

Wo in Spanien und Portugal kaufst du denn deine Kleidung ein? Gibt es dort einen großen Markt für Vintage-Kleidung?

Ich fahre ca. 3-4x im Jahr zum Einkaufen nach Gallizien – Vigo, Ourense – auf umliegende Märkte bis über die Grenze nach Portugal. In Nordspanien ist Vintage als Thema noch nicht angekommen. Fährt man nach Barcelona, gibt es dort bestimmt einige Vintage-Läden, aber in Gallizien nicht, hier muss man die Märkte besuchen. Auch habe ich einige Händlerinnen in Spanien, von denen ich die Kleidung bekomme oder Privatverkäufer, von denen ich Vintage-Schmuck kaufe

Wie wir sehen, hast du auch einige neuwertige Einzelstücke hier. Ist das richtig?

Ana-TheGoldenAge-Foto-Susanne-Hinck-3Ja, das stimmt. Auf meinen Shoppingtrips sehe ich natürlich auch ab und zu tolle Kleidung und Schuhe, die nicht vintage sind, trotzdem aber zu diesem Style passen. Zum Beispiel handgemachte Clogs auf einem spanischen Markt oder auch ein Folklorekleid von einer Marke, die es sonst nirgendwo zu kaufen gibt.

Worauf achtest du beim Kauf deiner Vintage-Kleidung?

Für mich sind die Qualität des Materials und der Schnitt am wichtigsten. Und natürlich muss das Kleidungsstück in mein Konzept passen: viele Kleider, Blumenmuster, spanische Folklore und auch ein bisschen Punk. Ich bin der Meinung, dass jeder Frau, egal welchen Alters und Körperbau, toll aussieht. Sie muss nur das richtige Jahrzehnt, also den richtigen Schnitt, für sich finden und hochwertiges Material tragen. Eine 34 kann z.B. am besten Kleidung aus den 20er und 60er Jahren tragen, während eine 46 toll in Kleidern aus den 50ern und 70ern aussieht. Bei mir gibt es nur Einzelstücke, trotzdem sind bei mir aber alle Größen vertreten. Ich finde es toll, Frauen bei mir im Laden dabei zu helfen, den perfekten Schnitt für ihre Figur zu finden.

So außergewöhnliche, handselektierte Vintage-Kleidung hat doch bestimmt auch seinen Preis?

Bei mir gibt es alle Kleidungsstücke zwischen 29 und 59 €. Meine Kleidung soll für jeden erschwinglich sein und es handelt sich ja auch um Vintage. Ich sehe es nicht ein, dass Menschen, die gebrauchte Kleidung kaufen, nur wegen der Einzigartigkeit der Stücke ein Vermögen dafür ausgeben müssen. Bei mir bleiben die Preise angemessen und fair. Wiederverwertung, also tragen von Vintage-Kleidung statt Neuware, ist ja auch immer eine Form von politischem Statement.

The Golden Age Foto: Susanne Hinck

Auf der Stange, aber nicht von der Stange! Ana kauft ihre Stoffe und Kleider bei ausgewählten Händlern und Shops in ihrer Heimat in Nordspanien ein. – ©Foto: Susanne Hinck

Apropos Wiederverwertung und politisches Statement. Ich habe gehört, dass du momentan an einer tollen Upcycling-Idee arbeitest?

Ja, genau. Ich kaufe momentan alte Collegejacken ein. Das ist gar nicht so einfach, denn ich möchte welche mit gutem Schnitt und keine, die so sehr weit geschnitten sind. Wenn ich genügend zusammen habe, sollen diese mit verschiedenen Sprüchen und Zitaten bestickt werden. Hierfür möchte ich z.B. Aussagen von Frida Kahlo, Sprüchen aus alten Antifa-Büchern die ich noch zu Hause habe und von spanischen Revoluzzern nutzen. Für mich ist das auch ein sehr persönliches Projekt. Ich komme aus einer sozialistischen Familie, eine Tatsache, die in Spanien weit mehr Bedeutung hat als hier. Sobald ich genügend Jacken zusammen habe, werden diese auch hier in der Kleinen Freiheit verkauft.

Gibt es noch weitere Projekte, an denen du dich gerne künstlerisch versuchen würdest?

Ich würde gerne eine eigene Etuikleid-Linie aus tollen, spanischen Stoffen entwerfen. Aber dafür müsste ich erstmal richtig gut nähen können. Ganz konkret möchte ich gerne eine Ladenbeteiligung in Berlin finden.

Vielen Dank, Ana, für dieses Interview! Wer mehr über „The Golden Age“ erfahren möchte, kann Ana in der Kleinen Freiheit No. 1 besuchen und natürlich auch an ihrem Stand auf der Retrofair.

Wir haben noch mehr Interviews geführt, unter anderem mit den Fahrrad-Experten von Gumz & Thomas und Sabine Noll, die auf der Retrofair amerikanischen Modeschmuck der 50er und 60er Jahre anbietet, schaut rum, es lohnt sich!

 

Interview: Malin
Fotos: Susi